Beziehung, Feueralarm und ein paar ehrliche Gedanken

12. August 2018

Gerade ist die Beziehung zu meiner Küche etwas kompliziert geworden – und diesmal sogar ziemlich ernst.

Es hat gebrannt.

In diesem Moment musste ich sofort handeln: Feuer löschen, Fenster auf, Wohnung lüften.

Während ich dort stand und den Rauch aus der Wohnung zog, wurde mir plötzlich etwas sehr deutlich bewusst: wie wertvoll das eigene Leben eigentlich ist.

Und dass ich noch lange nicht bereit bin, mich vom Leben zu verabschieden.

Keine Sorge – das war kein düsterer Gedanke. Eher ein kurzer Moment der Klarheit. Solche Situationen zeigen einem einfach, wie schnell etwas passieren kann und wie wichtig es ist, achtsam mit sich selbst und seinem Umfeld umzugehen.

In früheren Blogeinträgen habe ich bereits über schwierigere Phasen meines Lebens geschrieben – über Mobbing, über den Verlust meines Vaters und über Erfahrungen, die mich geprägt haben. Diese Zeit gehört zu meiner Geschichte, aber sie liegt hinter mir.

Heute gehe ich mit vielen Dingen bewusster und reflektierter um.


Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag ursprünglich „Liebesbriefe an alle“ nennen.

Irgendwie passte das – und gleichzeitig fühlte es sich auch ein wenig paradox an. Also habe ich beschlossen, einfach weiterzuschreiben und zu schauen, wohin mich meine Gedanken führen.

Die Luft vom kleinen Küchenbrand hat sich inzwischen jedenfalls gelegt, und ich kann wieder klarer denken.

Viele Menschen fragen mich immer wieder, wie es bei mir eigentlich beziehungstechnisch aussieht. Ob ich gerade jemanden habe, ob ich verliebt bin oder ob ich überhaupt in einer Beziehung bin.

Die ehrliche Antwort ist: Ich bin nicht der Typ Mensch, der nach ein paar Wochen offiziell verkündet, dass er in einer Beziehung ist.

Für mich steht nicht die öffentliche Darstellung im Mittelpunkt, sondern die Beziehung selbst. Ich möchte mich auf das konzentrieren, was zwischen zwei Menschen entsteht – auf Vertrauen, Nähe und gemeinsame Zeit.

Wenn andere Paare ihre Beziehung früh öffentlich zeigen und stolz präsentieren, respektiere ich das vollkommen. Ich persönlich gehe damit einfach etwas anders um.


Interessanterweise sind meine Beziehungen bisher nie an Distanz gescheitert.

Berlin – Rostock.
Berlin – Innsbruck.
Neubrandenburg – Köln.
Neubrandenburg – Mannheim.
Köln – Bern.

Kilometer waren nie das Problem.

Wenn etwas nicht funktioniert hat, lag es meistens an anderen Dingen: an Charakter, an unterschiedlichen Erwartungen, manchmal auch an der Umgebung – Freunde, Szene oder familiäre Dynamiken.

Ich bin ein Familienmensch.

Mir ist es wichtig, dass ein Partner sich mit meinen Freunden und meiner Familie versteht. Wenn diese Welten harmonieren, kann eine Beziehung stabiler wachsen. Natürlich funktioniert das nicht immer – besonders dann nicht, wenn Intrigen, Manipulationen oder unnötige Spannungen entstehen.


Wenn ich ehrlich bin, habe ich bisher nur wenige Menschen wirklich näher kennengelernt.

Genauer gesagt: sechs Personen (Stand August 2018), mit denen ich länger als einen Monat eine intensivere Verbindung hatte.

Zwei davon haben meine Eltern kennengelernt. Eine Person blieb sogar fast eine Woche bei mir zu Hause.

Bei anderen scheiterte die Beziehung schon früher – manchmal sogar an der Einladung selbst. Und wenn so etwas passiert, ist das oft schon ein Zeichen dafür, dass es emotional einfach nicht passt.

Trotzdem gab es auch viele schöne Momente, die ich wirklich genossen habe.

Diese Erinnerungen bleiben.

Manche Beziehungen endeten wegen Missverständnissen, andere wegen persönlicher Unterschiede. Wenn ich sage, dass eine Beziehung „an der Person gescheitert ist“, meine ich damit nicht, dass diese Person schlecht ist.

Es bedeutet einfach, dass wir emotional oder charakterlich nicht zueinander gepasst haben.


Ich habe oft ein starkes Gewissen. Manchmal habe ich sogar Angst, jemanden zu verletzen – oder selbst verletzt zu werden.

Liebeskummer gehört zum Leben dazu.

Gefühle sollte man zulassen.

Was mir allerdings schwerfällt, sind extreme Rationalität, Heuchelei, Oberflächlichkeit oder Egoismus.

Das sind Dinge, mit denen ich langfristig nicht gut umgehen kann.

Oft habe ich Kennenlernphasen selbst beendet – manchmal still, manchmal mit einer Erklärung.

Nicht, weil ich mich eingeengt fühle.

Im Gegenteil: Ich brauche Freiheit, aber ich möchte mich in einer Beziehung nicht verbiegen müssen.

Ich verliebe mich selten – und wenn, dann eher langsam.

Misstrauen gehört ein Stück weit zu mir. Ich sehe das als eine Art Schutzmechanismus.

Und ja, manchmal habe ich auch meine berühmten „fünf Minuten Kontrollfreakness“ – meist ausgelöst durch Eifersucht.

Nicht perfekt, aber menschlich.


Eine Person an meiner Seite muss nicht perfekt sein.

Perfektion existiert ohnehin nur in einzelnen Momenten – nicht als dauerhafte Realität.

Wichtiger sind mir Dinge wie:

Authentizität
Kommunikation
ein aktiver Lebensstil
und natürlich auch eine gewisse körperliche Anziehung.

Dabei ist mir das Gesicht oft wichtiger als der Körper.

Mit vielen Menschen kann ich grundsätzlich gut auskommen – solange Sympathie und Empathie vorhanden sind.

Ob daraus eine Beziehung entstehen kann, ist eine ganz andere Frage.

Und ja, ich gebe es zu: Ein gut gebauter Körper kann attraktiv sein.

Aber das allein reicht mir nicht.

Sympathie, Empathie, Respekt und die Lebenshaltung eines Menschen sind für mich entscheidend.

Was bringt mir ein attraktiver Mensch, wenn die Verbindung auf persönlicher Ebene fehlt?

Sex kann kurzfristig spannend sein – aber eine echte Beziehung besteht aus viel mehr.

One-Night-Stands sind einfach nicht mein Ding.


Nach ein paar Wochen gemeinsamer Zeit – beim Essen, im Kino, beim Spazierengehen oder bei langen Gesprächen – lernt man eine Person erst richtig kennen.

Kommunikation ist dabei unglaublich wichtig.

Gleichzeitig ist sie für mich nicht immer einfach.

Nachrichten über WhatsApp fallen mir oft schwer. Viele Menschen merken schnell, dass ich darin nicht besonders gut bin.

Das kann manchmal den Eindruck erwecken, ich hätte kein Interesse.

Dabei stimmt das gar nicht.

Es braucht manchmal einfach Geduld, bis ich mich wirklich öffne.


Ich weiß, dass ich Schwächen habe.

Und das ist in Ordnung.

Ich versuche nicht, sie zu verstecken. Stattdessen versuche ich, sie zu verstehen und an ihnen zu arbeiten.

Fehler zu akzeptieren und daraus zu lernen, gehört für mich genauso dazu wie eigene Stärken zu erkennen.

Beziehungen erfordern Arbeit.

Aber – und das ist mir wichtig – sie dürfen nicht ausschließlich Arbeit sein.

Eine Beziehung sollte nicht daraus bestehen, dass ich den ganzen Tag darüber nachdenken muss, wie ich meinen Partner glücklich machen kann.

Für mich bedeutet eine gesunde Beziehung eher so etwas wie:

20 % Arbeit und 80 % Bereicherung.

Oder anders gesagt:

Eine Beziehung sollte das Leben leichter, schöner und erfüllter machen.

Nicht komplizierter.

Ein Partner sollte meinen Alltag bereichern, mir Kraft geben und gemeinsam mit mir wachsen – nicht dazu führen, dass ich mich ständig verbiegen oder beweisen muss.


Die Szene hier in Köln, besonders rund um die Schaafenstraße, finde ich grundsätzlich spannend.

Sie bietet Möglichkeiten, Menschen kennenzulernen – vor allem für jemanden wie mich, der keine Dating-Apps nutzt und nur Instagram hat.

Gleichzeitig bringt diese Szene auch Herausforderungen mit sich: Oberflächlichkeit, Lärm, ein ständiger Wettbewerb um Aufmerksamkeit.

Viele Menschen wollen dort einfach nur feiern oder kurzfristige Begegnungen erleben.

Und das ist völlig okay.

Für mich funktioniert dieser Rahmen allerdings nicht unbedingt, wenn es um eine ernsthafte Verbindung geht.


Besonders schwierig wird es für mich, wenn ich merke, dass jemand unehrlich ist oder hinter meinem Rücken Dinge passieren.

Flirten während einer intensiven Kennenlernphase fühlt sich für mich manchmal schon wie ein kleiner Vertrauensbruch an.

Ich möchte die Person wirklich kennenlernen – nicht nur eine Fassade.

Gleichzeitig haben fremde Menschen auch etwas Spannendes.

Etwas Mystisches.

Man möchte mehr über sie erfahren.


Beziehungen sind letztlich eine Mischung aus Psychologie, Werten, Persönlichkeit und auch Hormonen.

Alles zusammen macht sie komplex.

Im Moment befinde ich mich selbst in einer Phase der Selbstreflexion – eine kleine Quarter-Life-Crisis, könnte man sagen.

Ich brauche manchmal Zeit, um nachzudenken, Abstand zu gewinnen und meine Gedanken zu sortieren.

Arbeit hilft mir dabei.

Mein Teilzeitjob als Barista macht mir Spaß. Er gibt mir Struktur, Verantwortung und gleichzeitig eine gewisse Unabhängigkeit.

Diese kleinen Routinen geben Stabilität.


Ich wünsche mir eine Beziehung.

Aber sie muss passen.

Emotional.
Charakterlich.
Auf Augenhöhe.

Alles andere würde langfristig nicht funktionieren.

Mein Ziel ist ein Gleichgewicht:

zwischen Einsamkeit und Zweisamkeit,
zwischen Nähe und Freiheit,
zwischen Verantwortung und Leichtigkeit.

Ich möchte bewusst leben, bewusst handeln und aus meinen Fehlern lernen.

Denn am Ende ist für mich eines am wichtigsten:

Balance.

Erst wenn dieses Gleichgewicht stimmt, kann echte Nähe entstehen.



Habt noch einen schönen Sonntagabend – Euer Mahomie
Köln,12. August 2018