It's Time
15. Mai 2017
Es ist an der Zeit!
Es ist an der Zeit, dass wir Bürger*innen dieses Bundeslandes eine echte Aufklärungskampagne starten. Eine Kampagne über die LGBTQIA-Community – über Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transmenschen, Queere, Intersexuelle und Asexuelle. Eine Kampagne für Verständnis, für Respekt und für Gleichberechtigung.
Diskriminierung von Minderheiten hat eine lange Geschichte. Schon sehr früh wurden Menschen ausgegrenzt, weil sie anders waren. Religiöse Texte wurden über Jahrhunderte hinweg genutzt, um bestimmte Gruppen abzuwerten. Besonders Homosexuelle mussten darunter leiden. In der Bibel findet sich der Satz: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.“ Solche Aussagen wurden über Generationen hinweg als moralische Begründung benutzt, um Menschen zu verurteilen, zu verfolgen und sogar zu töten. Wer gegen das vermeintliche „Gesetz der Natur“ verstieß, konnte einst auf dem Scheiterhaufen landen.
So verfestigte sich über Jahrhunderte ein starres Bild der „traditionellen Familie“: Mann, Frau und Kinder. Natürlich ist es verständlich, dass frühere Gesellschaften Fortpflanzung vor allem als Mittel zum Überleben betrachteten. Doch heute wissen wir, dass die Realität komplexer ist.
Ein Blick in die Natur zeigt deutlich: Gleichgeschlechtliches Verhalten existiert auch im Tierreich. Viele Tierarten zeigen gleichgeschlechtliche Bindungen oder sexuelle Interaktionen. Sie leben sozial, bilden Bindungen und kümmern sich umeinander. Die Natur ist vielfältiger, als manche Ideologien es wahrhaben wollen.
Auch die menschliche Sexualität ist vielschichtiger, als lange behauptet wurde. Sie dient nicht nur der Fortpflanzung, sondern auch Nähe, Intimität und emotionaler Verbindung. Liebe, Begehren und Partnerschaft lassen sich nicht auf eine einzige Norm reduzieren.
Doch über Generationen hinweg verbreiteten einflussreiche Persönlichkeiten, Institutionen und Ideologien die Vorstellung, Homosexualität sei „wider der Natur“. Dieses Gedankengut wurde weitergegeben, verfestigt und schließlich gesellschaftlich normalisiert. Aus Vorurteilen wurden Gesetze, aus Gesetzen wurde Diskriminierung.
Noch im 19. und 20. Jahrhundert wurden homosexuelle Männer kriminalisiert. Der berüchtigte Paragraph 175 des Reichsstrafgesetzbuches aus dem Jahr 1871 stellte sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe und zerstörte das Leben unzähliger Menschen. Gleichzeitig erklärten einflussreiche Stimmen aus Medizin und Psychiatrie Homosexualität zu einer angeblichen Krankheit. Der Psychiater Richard von Krafft-Ebing bezeichnete sie beispielsweise als erbliche „neuropsychopathische Störung“.
Heute wissen wir, wie falsch diese Annahmen waren.
Seit den 1950er-Jahren kämpfen Menschen weltweit für die Rechte der LGBTQIA-Community. Schritt für Schritt wurden Fortschritte erkämpft – gegen Widerstände, gegen Hass und gegen jahrzehntelange Diskriminierung. In Deutschland wurde der Paragraph 175 schließlich 1994 endgültig abgeschafft. Ein wichtiger Schritt – aber längst nicht das Ende des Kampfes für Gleichberechtigung.
Moderne Wissenschaft zeigt heute eindeutig: Sexualität ist kein „Fehler“, keine Krankheit und kein moralisches Versagen. Sie ist ein Teil der menschlichen Natur. Egal ob jemand schwul, lesbisch, bisexuell, trans oder heterosexuell ist – all das gehört zur natürlichen Vielfalt unserer Gesellschaft.
Niemand entscheidet sich bewusst dafür, wen er liebt. Liebe lässt sich nicht wählen wie ein Kleidungsstück.
Und wenn Menschen behaupten, Homosexualität sei „wider der Natur“, dann stellt sich eine einfache Frage: Was ist mit Frauen, die keine Kinder bekommen können? Oder mit Männern, die keine Kinder zeugen können? Werden sie deshalb als „unnatürlich“ bezeichnet? Natürlich nicht.
Unsere Gesellschaft hat heute viele Möglichkeiten, Familien zu gründen und Kinder großzuziehen – weit mehr als früher. Familie bedeutet längst nicht mehr nur ein einziges Modell.
Was einst als natürliche Vielfalt existierte, wurde über Jahrhunderte durch gesellschaftliche Normen, politische Ideologien und religiöse Vorstellungen verzerrt. Menschen wurden ausgegrenzt, abgewertet und entmenschlicht – nur weil sie anders liebten.
Doch Liebe ist kein Verbrechen.
Liebe ist kein Fehler.
Liebe ist ein Menschenrecht.
Deshalb braucht es Aufklärung. Deshalb braucht es Mut. Deshalb braucht es eine Gesellschaft, die Vielfalt nicht als Bedrohung sieht, sondern als Stärke.
Denn eine freie Gesellschaft erkennt an:
Jeder Mensch hat das Recht zu lieben – ohne Angst, ohne Scham und ohne Diskriminierung.
#samelove #loveislove #humanrightsfirst #lgbt #NoH8 #newtomorrow
– Veröffentlicht von Tony Eberhardt –
am 15. Mai 2017 um 21:00 in Neubrandenburg –