20 Jahre Handball – meinen Platz im Modeln finde ich noch

28.04.2026

Zwischen zwei Welten

Im Handball hat man ziemlich schnell verstanden, wo man steht. Man ist ins Training gegangen, hat sich gemessen, hat direkt Feedback bekommen. Entweder hat man mithalten können oder man hat daran gearbeitet. Und irgendwann hat man seinen Platz gefunden, ist angekommen, ist Teil vom Team geworden. Dieses Gefühl ist klar gewesen, greifbar, ehrlich.

Beim Modeln habe ich dieses Gefühl lange nicht gehabt. Mit 18 bin ich schon bei einer Agentur gewesen, habe eine Mentorin gehabt und bin gefühlt ein Dreivierteljahr jede Woche ins Laufstegtraining gegangen. Und das war nicht einfach nur Laufen. Das war intensiv gewesen. Kopfhaltung trainiert, Körperhaltung korrigiert, Atmung bewusst gesteuert, Bewegungen wiederholt, Drehungen verfeinert – jede Kleinigkeit ist auseinander genommen und neu aufgebaut worden.

Und ein Satz ist mir bis heute hängen geblieben:
Ich tue, was ich denke. Ich denke, was ich tue.

Der hat sich eingebrannt. Genauso wie die Arbeit mit der Alexander-Technik. Dieses Gefühl für den eigenen Körper entwickelt zu haben, für Spannung, für Kontrolle, hat mir damals zum ersten Mal gezeigt, dass Modeln mehr ist als Aussehen. Es ist Präsenz. Es ist Gefühl. Es ist Ausdruck.


Der Moment, der alles bestätigt hat

Meinen ersten größeren Job habe ich dann über die Top Hair International für L'Oréal bekommen. Und dieser Moment ist hängen geblieben. Dieses Gefühl, es geschafft zu haben, zu sehen, dass es funktioniert, dass ich das kann – das hat etwas ausgelöst.

Und genau solche Momente tragen einen weiter. Gerade durch die Phasen, in denen es nicht läuft.

Ein, zwei Jahre später bin ich bei einer Agentur in Berlin gewesen, habe Jobs in Skandinavien gemacht, habe neue Eindrücke gesammelt, neue Menschen kennengelernt, neue Perspektiven erlebt. Es hat sich leicht angefühlt, fast selbstverständlich. Bis ich mich selbstständig gemacht habe und gemerkt habe, wie schnell sich alles verändern kann. Struktur verloren gegangen, Orientierung gefehlt, dieses Gefühl nicht mehr da gewesen, dass jemand einen sieht und weiß, wo man hingehört.

Parallel hat sich der Fokus immer mehr auf Handball verschoben – etwas, das mich seit über 20 Jahren begleitet und nie wirklich losgelassen hat.


Handball: Klarheit, die trägt

Nach der Pandemie bin ich stärker in den Sport gegangen, unter anderem nach Innsbruck, später München, dann wieder zurück nach Berlin. Und im Handball ist alles klar gewesen. Ich bin ins Training gegangen und habe sofort gewusst, wo ich stehe. Entweder habe ich mithalten können oder ich habe daran gearbeitet.

Da wurde nichts interpretiert. Da wurde geliefert.

Und genau das hat mir Sicherheit gegeben. Struktur. Selbstvertrauen. Etwas, woran ich mich festhalten konnte.


Modeln: Immer da, nie ganz weg

Und trotzdem ist das Modeln nie weggegangen.

Als ich wieder in Berlin gewesen bin, habe ich gemerkt, wie sehr mich das noch reizt. Dass es mehr ist als „ganz cool“. Es ist eine Leidenschaft geblieben. Beim Handball habe ich mich körperlich ausgelebt. Beim Modeln habe ich mich visuell ausgedrückt. Ich habe Geschichten erzählt, ohne ein Wort zu sagen. Über Haltung, über Blick, über Bewegung.

Dann ist Germany’s Next Topmodel dazugekommen. Und es hat sich wie ein Restart angefühlt. Ich habe mich ausprobieren können, habe Feedback bekommen, habe mich gesehen gefühlt. Und ich habe gemerkt: ich kann das wirklich.

Es hat sich richtig angefühlt.

Und dann kamen wieder die Absagen.

Früher schon viele bekommen. Und jetzt wieder. Mit mehr Erfahrung. Vor allem auch nach GNTM. Und irgendwann hat sich dieser Gedanke eingeschlichen: vielleicht passt man einfach nicht rein.


Der Zweifel, den man kennt

Und genau da beginnt dieses Zweifeln. Und das kennt man nicht nur aus dem Modeln. Das kennt man aus dem Alltag, aus dem Job, aus Situationen, in denen man sich gefragt hat: warum klappt es bei anderen, aber bei mir nicht?

Früher habe ich gedacht, es liegt an mir. Heute weiß ich, dass es so nicht funktioniert.

Es geht nicht einfach nur darum, gut auszusehen.
Es geht um:

  • Editorial
  • Runway
  • High Fashion
  • Commercial

Und jede Agentur, jedes Land sucht etwas ganz Konkretes. Wenn man genau reingepasst hat, war man perfekt. Wenn nicht, war man raus. Egal wie viel man konnte.


Zwischen Stärke und Fragezeichen

Ich habe mich oft dazwischen gefühlt. Nicht klar genug in eine Richtung gepasst. Nicht nur edgy, nicht nur klassisch, nicht nur Commercial, nicht nur High Fashion.

Ein bisschen von allem gewesen.

Und genau das ist gleichzeitig Stärke und Herausforderung gewesen.

Heute habe ich verstanden, dass Absagen nicht bedeuten, dass man nicht gut ist. Sondern dass vieles zusammenkommt: Look-Fit, Markt, Timing, Portfolio, Social Media. Dinge, die man früher nicht gesehen hat.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Ich habe mich nie als Schublade gesehen. Sondern als jemand, der sich anpassen kann. Wandelbar. Ein Overall-Typ. Jemand, der Editorial kann, Kampagnen machen kann, sich zeigen kann. Und genau das hat mir immer Spaß gemacht.


Zwei Bühnen, ein Gefühl

Am Ende habe ich auf zwei Bühnen gestanden. Handball und Modeln. Und beide haben etwas gemeinsam: man steht im Fokus, man performt, man zeigt sich.

Und genau das habe ich genossen.

Handball als Teil meines Lebens.
Modeln als Ausdruck von mir.

Über 20 Jahre Handball gespielt. Über 14 Jahre gemodelt.

Runway in meiner Heimat in Neubrandenburg gelaufen, vor Menschen, die ich kenne. Auf der Fashion Week gestanden und meine Mutter im Publikum gesehen. Shows gelaufen, tolle Kampagnen gemacht, coole Shootings erlebt.

Das waren keine Jobs.

Das waren Momente. Besondere Moment für mich.


Und jetzt?

Jetzt bin ich wieder in Berlin und habe gemerkt: ich will das wieder. 
Richtig. Nicht halb. Nicht nebenbei.

Ich weiß, dass Absagen dazugehören. Ich weiß, dass es nicht einfach wird.

Aber ich habe auch verstanden: Aufgeben ist keine Option.


Gedanke zum Schluss

Ich will am Ende nicht dastehen und mich fragen, was gewesen wäre.

Ich will es wissen. Ich will es ausprobieren. Ich will meinen Platz finden.

Egal wo. Egal wie lange es dauert.

Und vielleicht geht es gar nicht darum, perfekt irgendwo reinzupassen. Sondern lange genug dranzubleiben, bis genau dieses „Dazwischen“ das ist, was gesucht wird.

Bis dahin habe ich meinen Weg manifestiert. Schritt für Schritt. 
Mit allem, was dazugehört.

Und ich bin bereit für das, was kommt.